P r o t o k o l l

des Treffens des Lainzer Kreises

am

14. November 2010

 

 

Anwesend: H. Artner, H. Blasche, S. Blümel, E. Bolognese, R. Brandner, F. Brich, C.u.W. Buzzi, R. Clauss, I.Denner, U. Exler, I.

Friedrich, Ch. Gschirtz, S. Henning, H. Högl, O. Hubbauer, H.P. Hurka, C. Jiresch, H. Keindl, H. Kert, P. Knezu, H. Köcher,

H. Köhler, E.u.H. Kohlmaier, J. Knoflach, S. Konvicka, H. Kouba, J. Krammer. J. Ladányi, H. Landman, R.u.G.Lenhart, G.

Lindl, M. Lootens, R. Molterer, C. Moser, K. Neuber, M.u.J. Pampalk,  A. Pant, U. Papies, P. Pawlowsky, E. Peschek, N. Pet-

ko, R. Pfleger, F. Pichler, H. Pokorny, E. Pucelj, E.u.G. Röttig, W. Schindegger, H. Schmidtmayr, M. Simanyi, Ch. Sommer,

G. Spenger, M. Stadlbauer, F. Starnberger, W. Stoiber, S.u.B. Strobel, H. Tutschek, Ch. Twaroch, M. Weber, U. Weber, H.

Wipfel, H. Wöber, E. Wuringer, P.Zehndorfer, E.u.G. Zoklits

Entschuldigt:  R. Donner, E. Faiss, H. Lehner, E. Strasser, E. Tuisl,

 

„Tour d’ horizont“

 

•     Hans Peter Hurka kündigt die Buchpräsentation von Christine Sommers Buch: „Schwaches Weib – starke

Worte“ mit einem Vorwort von Weihbischof Krätzl an.

•     Hans Peter Hurka kündigt die Enquete der Reformgruppen zum Thema: „Zentralistische Bischofsernen-

nungen – theologisch unhaltbare Willkür?“ an.

•     Hans Peter Hurka kündigt einen Vortrag von Prof. DDDr. Landesmann über die Wurzeln des christlichen

Glaubens an.

 

Tagesthema:

„Unseren Glauben zeitgemäß leben und verkünden“

Referent:Roger Lenaers

 

Im Titel ist das Wort zeitgemäß wichtig. Denn unseren Glauben sollen wir leben und verkündigen. Aber

nicht Zeitgemäß bedeutet: in der heutigen Kultur, also in der Moderne. Diese ist die Kultur die seit der Auf-

klärung, also seit dem 18. Jahrhundert im Westen mehr und mehr die christliche Weltanschauung verdrängt.

Die vormoderne christliche Weltanschauung ist auf einen Glauben an einen Gott-in-der-Höhe aufgebaut,

einen Theos, das griechische Wort für Gott. Er soll sich von dort aus mit dem Kosmos und ganz besonders

mit der Menschheit  beschäftigen, wird berichtet. Er offenbare Wahrheiten, gebe Gesetze, richte und belohne

oder bestrafe je nachdem, ob man seine Gesetze befolge oder nicht. Ab und zu greife er ein, wenn man ihn

lange genug darum bitte.

 

Für die Moderne gibt es diesen Theos nicht. Die modernen Wissenschaften sagen, dass der Kosmos seinen

eigenen Gesetzen folge, autonom ist, nicht von außen dirigiert wird, nicht von einer anderen Welt abhängig

ist. Die Welt  entscheide souverän, was hier zu geschehen habe.

 

Die Menschen in vormodernen Zeit haben bedrohliche und für sie völlig unerklärliche Naturphänomene

durch die Aktivität unsichtbarer Mächte in der Höhe, Götter, Theoi, zu erklären versucht. Die Gewissheit

dass es solch unberechenbare und stets zu fürchtende Theoi gäbe, hat die Religionen hervorgebracht, in kol-

lektiver Formen der Verehrung dieser Mächte, von dazu anerkannten Kultusfachleuten organisiert. Die

Angst hat die Götter erzeugt, sagte die deutsche Aufklärung. Der  Polytheismus, der Glaube an viele Götter,

ist dann im Laufe der Zeit von dem einzigen Theos der abrahamitischen Religionen, also vom Monotheis-

mus, abgelöst worden. Und jetzt wird dieser Monotheismus im Westen zusehends vom Atheismus abgelöst.

Verabschiedung von diesem Theos, wie die Moderne es tut, bedeutet Atheismus, Religionslosigkeit. Im

Westen ist der Atheismus nur eine kleine Insel in einem Weltmeer von Religionen. Er genießt noch lang

keine ungeteilte Zustimmung;

 

Wenn wir unseren christlichen Glauben in der Moderne einheimisch machen wollen, inkulturieren, wie man

das nennt, muss dieser Glaube atheistisch religionslos werden. Aber gibt es ein religionsloses, atheistisches

Christentum? Ja, das gibt es. Und es soll sogar so sein.

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Der erste, der das vermutlich intuitiv gesehen hat, es gleichsam tastend, suchend, noch nicht ausgewogen,

nicht gereift, ausgesprochen hat, ist Dietrich Bonhoeffer. Ihr kennt ihn, den evangelischen Theologen aus der

Hitlerzeit, der kurz vor dem Kriegsende von den Nazis in Flossenburg aufgehängt worden ist. Einige Monate

vorher, im April und Juli 1944,  hatte er aus dem Nazigefängnis Spandau an seinen Freund und späteren

Biographen Eberhard Bethge seine Intuition in zwei langen, theologisch geladenen Briefen ausgesprochen.

Ich lese einiges daraus vor: "Wir sollen in der Welt leben etsi deus non daretur, als gäbe es Gott nicht. Gott

selber lässt uns wissen, dass wir leben sollen als Menschen, die mit dem Leben fertig werden ohne Gott. Der

Gott, der uns in der Welt leben lässt ohne die Arbeitshypothese Gott, ist der Gott vor dessen Angesicht wir

fortwährend stehen. Vor und mit Gott leben wir ohne Gott. (…)   Wenn Religion nur ein Gewand des Chris-

tentums ist (und dieses Gewand sah in den unterschiedlichen Perioden der Geschichte sehr unterschiedlich

aus) was ist dann ein Christentum ohne Religion? Wie reden wir über Gott ohne Religion? Wie reden wir

„weltlich“ über Gott, wie sind wir Christen auf religionslose, weltliche Weise? Was bedeuten Kultus und

Gebet in einem a-religiösen Kontext?“

 

Er antwortet selber nicht auf diese Fragen. Ich will heute versuchen ihn zu interpretieren, und ihn wahr-

scheinlich nicht ganz richtig interpretieren, weil inzwischen mehr als 60 Jahre vergangen sind und das gläu-

bige moderne Denken sich weiter entwickelt hat. Dass ich ihn nicht ganz richtig interpretiere, sondern seine

Intuition weiter führe, leite ich aus einem anderen Wort von ihm ab: „Die Entwicklung zur Mündigkeit der

Welt, [mit Mündigkeit meint er Autonomie], die abrechnet mit einer unrichtigen Gottesvorstellung, macht

den Blick frei für den Gott der Bibel, der durch seine Machtlosigkeit in der Welt Macht und Raum be-

kommt.“ Ich würde vielmehr sagen: macht den Blick frei für das Gottesbild der gläubigen Moderne, nicht

der Bibel, denn auch das Gottesbild der Bibel ist wegen seinem massiven Anthropomorphismus oft das Bild

eines Gottes-in-der-Höhe. Aber Bonhoeffer hat aus der Bibel, trotz allem dort erscheinenden Anthropo-

morphismus und den gelegentlich inhumanen Zügen Jahwes, die Stimme des modernen und ewigen Gottes

gehört, dessen Wesen ausströmende, sorgende, erbarmende, selbstlose Liebe ist.

 

Bonhoeffer ist sich also bewusst geworden dass es zwei Gottesbilder gibt. Das eine ist das traditionelle, gän-

gige Gottesbild, das des Christentums, der Kirchen. Aber in der Nazizeit hat sich gezeigt, wie Bonhoeffer

sich klar bewusst geworden ist, dass dieses Gottesbild sich problemlos einfügen lässt in ein System das keine

Bedenken hat gegen Eroberungskriege, nationalen Stolz, Menschenverachtung, Machthunger, Mord, Gewalt,

Unterdrückung, Verfolgung. Offensichtlich sahen die Kirchen keinen deutlichen Widerspruch zwischen ih-

rem Gottesbild und diesen Formen der Unmenschlichkeit. Ein solches Gottesbild ist falsch, ist verwerflich,

sieht Bonhoeffer, ist eine Beleidigung des wahren Gottes,, dessen Bild er intuitiv sehen musste, sonst konnte

er das falsche nicht als falsch erkennen und es mit so großer Entschiedenheit verwerfen.

 

Aber was Bonhoeffer im Nationalsozialismus gesehen hat, war schon seit Jahrhunderten da. Nur die Christen

hatten es offensichtlich nie bemerkt. Die Unmenschlichkeit des Nazismus war nur die Fortsetzung von Jahr-

hunderten von Unmenschlichkeit, die die europäische Geschichte blutrot färben. Nur zwei Beispiele aus

einer endlosen Liste: die Abscheulichkeiten des Dreißigjährigen Krieges, der ein Religionskrieg unter Chris-

ten war; oder der 1. Weltkrieg, mit seinem unvorstellbaren Blutvergießen, seinem maßlosen Leid, Zerstörung

und Elend, angezündet und geführt vom sehr katholischen Kaiser Österreichs, vom sehr evangelischen Kai-

ser Deutschlands, vom sehr orthodoxen Zar Russlands und dem sehr gläubigen Haupt der anglikanischen

Kirche, dem König von Großbritannien. All dieses Ungeheuerliche, und noch so entsetzlich viel mehr, Skla-

venhandel, Folter als normale Justizpraxis, grausame Hinrichtungen als Volksvergnügen, Pogrome, Hexen-

jagd, Kriege von Stadt gegen Stadt, von Herzog gegen Herzog, es ging alles problemlos zusammen mit ei-

nem Gottesglauben, der sich als ein himmlischer Baldachin über das alles ausbreitete und annehmbar mach-

te, es sogar oft heiligte. Solange die christliche Gesellschaft kein anderes Bild Gottes kannte als das der vor-

modernen Tradition, blieb sie unzugänglich und unheilbar Blind dafür.

 

Erst als die Aufklärung diesen Gott-in-der-Höhe von seinem Thron gestoßen hatte, wurde Raum frei für ein

anderes und besseres Gottesbild. Wie sieht dann dieses moderne und zwar zugleich christliche Gottesbild

aus? Es muss atheistisch sein und daher eine Absage enthalten an alles, was mit dem Gott-in-der-Höhe zu

tun hat. Das Glaubensbekenntnis und die Bibel und die Liturgie und die ganze Moral und die ganze Kirchen-

geschichte sind voll von Gott-in-der-Höhe. Dennoch gibt es ein solches modernes Gottesbild. Ein Zitat von

Einstein zeigt, dass sogar die atheistische Moderne eine Ahnung davon hat. Er schreibt: „Spüren dass hinter

allem Erfahrbaren etwas sich verbirgt, das unser Intellekt nicht zu fassen vermag, etwas dessen Schönheit

und Erhabenheit nur indirekt und wie ein schwacher Abglanz zu uns kommen, ist Religiosität. In diesem     3/7

 

 

Sinne bin ich ein tief religiöser Atheist.“ Es geht um dieses „etwas“. Es soll nur noch in einer christlichen

Perspektive erscheinen.

 

Ich vermute, dass Bonhoeffer in der Bibel vor allem die Sorge Gottes für die Menschen, das Erbarmen Got-

tes gefunden hat. Das leuchtet auch schon im Alten Testament sporadisch auf. Noch viel heller im Neuen

Testament, im Tun und Reden Jesu. Das  Gottesbild Bonhoeffers, war das Bild eines Gottes der für die Men-

schen da ist, der zu Menschlichkeit aufruft. Im Wesentlichen ist es ein modernes Gottesbild. Bonhoeffer

dachte es noch nicht systematisch. Ihm war vorläufig vor allem wichtig das Gottesbild von allem Unmensch-

lichen und dadurch Unwahrhaften zu reinigen. Darum die Betonung der Negationen, die stetige Wiederkehr

des „ohne“. Es ist eine Art von negativer Theologie, vom Sagen wie Gott nicht ist. Wie kann man aber seine

Intuition in einer positiven Synthese einbauen? Ich versuche es.

 

Meine Ausführungen würde er vielleicht nicht ohne weiteres unterschreiben, weil er einfach noch nicht die

Zeit gehabt hatte seine Intuition selber weiter durchzudenken.

 

Ich gehe davon aus, dass wir zu einem alles umfassenden Geheimnis gehören. Es bringt diesen Kosmos her-

vor und übersteigt ihn sogar. Dieses Wissen ist Sache der Intuition, nicht mehr der Ratio. Und diese Intuition

wohnt jedem Menschen inne. Durch zahllose Umstände ist es den meisten unmöglich sich dieser Intuition

bewusst zu werden. Jesus nennt es im Gleichnis des ausgestreuten Samens (Matthäus 13, 22) die Alltagssor-

gen. Die Intuition ist in jedem da, aber sehr, sehr hintergründig. Sie kann aber vordergründig gemacht wer-

den. Dazu müssen wir Schöpfung anders verstehen als in der vormodernen Vorstellung. Sie ist kein Produkt

eines außerkosmischen Schöpfers. Jedes Kunstwerk ist der Selbstausdruck des Künstlers in der Materie. So

kann man auch den Kosmos, und darin unser Ich, unser kleines Selbst, als den Selbstausdruck des großen

göttlichen Selbst betrachten.

 

Bewusstsein ist zugleich Selbstbewusstsein. In jedem Bewusstseinsakt erscheint auf dem fernen Hintergrund,

nicht nur das Bewusstsein unseres Ichs, sonder verschleiert auch das Bewusstsein jenes unendlichen und

alles umfassenden Selbst. Darum sagte ich, dass diese Intuition jedem Menschen innewohnt.

 

Diese Intuition war schon in der vormodernen Kultur bewusst. Die Mystiker sind Zeugen dafür. Straff orga-

nisierte Religionen wie Christentum und Islam mögen darum die Mystiker nicht sehr: das Gottesbild der

Mystiker ist ganz und gar nicht mehr das klare und leicht zu fassende Bild Gottes-in-der-Höhe. Darum hatte

auch die jüdische Führung kein Verständnis für Jesus und seine tiefe Gotteserfahrung. Er hat Gott gelästert,

lautete die Anklage. Weil sein Gottesbild, das er an erster Stelle durch sein Handeln, durch seine Sorge für

Menschen verkündete, ihn dazu brachte, sich nicht an überlieferte Vorschriften zu halten. Denn er aß mit so

genannten Sündern und bekundete so seine Verbundenheit mit ihnen, oder er heilte auch am Sabbat und er

unterließ die rituelle Händewaschung vor dem Essen. Er tat das nicht um zu provozieren, er tat es, weil dass

Feuer in ihm, die Urliebe Gott ihn zum Wohl seiner Mitmenschen drängte.

 

So zeigt sich schon wie wir den Glauben an diesen Jesus zeitgemäß leben sollen. Wir sollen uns von der

vernünftigen Menschenliebe führen lassen. Von der Menschenliebe, nicht von Treue zu Traditionen und

Vorschriften, aber auch nicht von Aggressivität gegen verdorrte Überlieferung und als schuldig gedeutete

Blindheit, für die stets bis auf weiteres die Unschuldvermutung gilt. Gerade wegen des Widerstands vonsei-

ten vieler Kirchenführer und konservativer Kreise gegen längst überfällige Erneuerungen sind moderne

Gläubige, auch ich, geneigt hart mit ihnen ins Gericht zu gehen. Aber wir sollen immer für etwas sein, nicht

gegen etwas.

 

Die Liebe ist wie ein Bächlein in den Bergen: wo es auf ein Hindernis stößt, sucht es sich einen anderen

Weg, und wenn es nicht weiter kommt, bildet es langsam einen See, dessen Wasser allmählich so hoch

steigt, dass sein Druck sich schließlich einen Durchgang öffnet. Wir, ich, sollen Geduld üben lernen und

freundlich bleiben auch zu denen die sich quer legen auf das was uns als lebensnotwendig für die Kirche

erscheint und es vielleicht auch ist. Ihr kennt vielleicht das so genannte Gelassenheitsgebet der Anonymen

Alkoholiker: Herr, gib mir die Gelassenheit hinzunehmen was ich nicht ändern kann gib mir den Mut zu

ändern was ich ändern kann, und gib mir die Weisheit zwischen den zwei unterscheiden zu können.

 

Was beinhaltet konkret den Glauben zeitgemäß leben? Worin unterscheidet es sich von einem vormodernen

Glaubensleben? In viel mehr Dingen als man vermutet. Ich kann nur auf ein paar zeigen. An erster Stelle: Ich

reagiere anders auf Gott. Statt zu tun was Gott uns aufträgt, lasse ich Gott tun. Nach einem Wort von Simone     4/7

 

 

Weil, der französischen jüdischen Mystika. Sie sagt: „In menschlichen Dingen haben wir immer die Wahl

zwischen etwas tun oder es nicht tun; Gott gegenüber haben wir nur die Wahl zwischen (auf Französisch) „se

laisser faire ou ne passe laisser faire“, wörtlich: sich tun lassen oder sich nicht tun lassen, also zwischen sich

dem Drängen der Urliebe in uns hingeben oder sich ihr nicht hingeben. Erst wenn ich mich hingebe und da-

durch auf sie höre, handle ich völlig in Übereinstimmung mit meinem tiefsten Wesen, mit meinem wahren

Selbst. So handeln ist die wahre Autonomie.

 

Was ich dagegen ohne auf diesen Impuls zu hören anpacke, kann nützlich sein. Es ist aber das Produkt mei-

nes menschlichen Ichs. So ein autonomes Tun trägt nicht zu meinem wahren Wachstum und Menschwer-

dung bei. Augustinus würde es nennen: magni passus extra viam, große Schritte auf dem falschen Weg. Die

Grundhaltung des modernen Christen ist Hingabe, man kann auch sagen: Gehorsam. Wenn vom erwachse-

nen Mann Jesus gesagt wird, dass er gehorsam war sogar bis zum Tod, dann war das kein Gehorsam gegen-

über Menschen sondern Gehorsam gegenüber der Stimme in seiner Tiefe.

 

Aber dieser Gehorsam oder diese Hingabe setzen Beten voraus. Und hier kommt ein zweiter Unterschied mit

dem vormodernen Glauben. Dieses Beten hat nichts mehr zu tun mit dem Bitten, aus dem es etymologisch

entstanden sein muss. Die Grundform des modernen Gebetes ist Bejahung des göttlichen Wirkens in uns. Es

ist Hingabe, wir lassen uns vom Gott-in-der-Tiefe vereinnahmen, damit wir zu dem werden, was er in Fülle

ist: liebend. Das frühere Bittgebet, um Heilung, um Rettung aus der Not, um Regen oder um was auch, hat

natürlich ausgedient. Denn es richtet sich an einen Gott droben, der zu unserem Vorteil hier unten etwas

wirken soll. Nicht einmal in der Bedrängnis sollte man als moderner Christ zu einem solchen Bittgebet grei-

fen, so spontan das auch in uns aufkommen mag. Denn das würde aus dem liebenden Urwunder wieder einen

anthropomorphen Zauberer wie der Pfarrer auf der Kanzel. Wir sollen unseren Glauben leben, zeitgemäß

leben.

 

machen, den wir mit unserem Drängen dazu bewegen möchten, zu unserem Nutzen in den natürlichen Lauf

der Dinge einzugreifen. Wir sollen uns vielmehr der Wirklichkeit hingeben, auch wenn sie schrecklich wird,

wissend dass die Urliebe, die zugleich doch die Urwirklichkeit ist, uns auch in dieser Gestalt erscheint und

dass es nichts Besseres gibt als sich ihr anzuvertrauen, was uns auch immer passiert.

 

Aber wir lassen uns leider nicht willig vereinnahmen, wir behaupten immer wieder unser kleines Ich (da

stoßen wir auf das Böse in uns) und dadurch bleiben wir unserem tiefsten Grund entfremdet. Aber dieser

nimmt das nicht gelassen hin, sondern will sich in uns durchsetzen, hört nicht auf uns zu sich zu ziehen, und

weckt so in uns das drängende Verlangen ihm zu begegnen, mit ihm eins zu werden. Dieses Verlangen setzt

sich dann in Flehen und Bitten um. In ein Flehen und Bitten, das nicht tastbare Dinge bekommen will, son-

dern nur jene Einswerdung, die das Ende der Entfremdung zwischen uns und unserem wahren Gott ist.

 

Aber auch um Vergebung bitten verliert jeden Sinn. Sofort erscheint der gekränkte Meister, dessen Groll

man entkommen möchte. Aber Gott ist die ausströmende Liebe schlechthin. Er/Sie ist nie gekränkt und trägt

nie etwas nach, das tun nur Menschen. Sehr sinnvoll dagegen bleiben das Loben und das Danken und die

Anbetung. Nicht als Unterwürfigkeit sondern als unendliche Bewunderung, als maßloses Staunen.

 

Das schönste Bild des Betenden im neuen Geist scheint mir das Bild des Fisches im Ozean zu sein. Der Oze-

an umgibt den Fisch maßlos, trägt ihn, birgt ihn, durchdringt ihn, ernährt ihn, gibt ihm Atem, gibt ihm Leben,

ist ihm unendlich nahe. Und ohne den Ozean gibt es den Fisch einfach nicht. Beten ist sich dieser Nähe be-

wusst werden und sich ihr hingeben.

 

Als drittes ändert sich mit dem Abschied vom Gott-im-Himmel unsere Haltung der Bibel gegenüber. Sie ist

nicht länger mehr „Wort des lebendigen Gottes“ wie der Lektor nach der Lesung rufen soll. Ein solcher Ruf

verrät den reinsten Anthropomorphismus. Gott kann nicht reden. Denn Reden setzt Stimmbänder und Kehl-

kopf und Mund und Zunge voraus. Und Worte gehören stets zu einer bestimmten Sprache, und auch diese ist

etwas  rein Menschliches, einer bestimmten menschlichen Gruppe eigen. Diese göttlichen Worte sollten dann

noch aus der anderen Welt, zu der unsrigen kommen. Aber es nur diese eine Welt. Man kann zwar in mo-

dern-gläubiger Sprache sagen, das namenlose geistige Urwunder-Gott drückt sich im Werdegang der kosmi-

schen Evolution aus, sich offenbart oder sich „ausspricht“. Mit Anführungszeichen, weil im völlig übertra-

genen Sinn. Im Ausdruck Wort Gottes wird das Sprechen deutlich aber nicht im übertragenen Sinn aufge-

fasst.

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Wenn die Bibel nicht mehr als Wort Gottes gelten kann, ist sie Menschenwort und ist sie nicht länger unan-

tastbar, unfehlbar. Hat sie dann für uns keinen Mehrwert mehr? Doch. Die Urliebe Gott ist ja dynamisch,

will sich stets deutlicher ausdrücken, im Kosmos und im Menschen. Bestimmte Menschen  sind empfindli-

cher für dieses innere Drängen, spüren diese Inspiration in ihrer Tiefe deutlich. Denkt z.B. an die Propheten,

die machtlos wüten konnten, weil Jahwe nicht erträgt, dass die Menschenwürde mit Füßen getreten wird.

Aber ihre Worte, und das gilt für alle Worte der Bibelautoren, waren Menschenworte und daher zeit- und

kulturgebunden, und dadurch vorläufig, anfechtbar, ab und zu sogar fehlerhaft und irreführend. Dennoch

enthalten sie in ihrem Kern die Selbstmitteilung Gottes. Nur ist es für Menschen der Moderne, in einer radi-

kal anderen Kultur als der biblischen, nämlich einer vormodernen, oft schwierig, mitunter sogar unmöglich,

diesen Kern noch zu erkennen, weil er in für uns unzugänglich gewordenen Vorstellungen und Formulierun-

gen eingepackt ist. Man liest dann lauter Menschenworte. Aber oft ist es bei anderen Bibelstellen doch so,

dass die göttliche Inspiration, diese Selbstmitteilung der Urliebe Gott, durch die Bibelworte hindurchleuch-

tet.

 

Für uns Christen wird das öfter im Neuen Testament als im Alten der Fall sein. Solche Worte (denkt an die

Emmausjünger) ermutigen, erleuchten, erwärmen das Herz. Dann kann man sagen, diese Bibelworte sind

„Worte Gottes“, Selbstmitteilung des Urwunders. Aber man soll sich hüten die Bibel ohne weiteres als

Sammlung von Worten Gottes darzustellen, wie es die Moslime mit dem Koran tun, sonst vergöttert man

auch Fehler und Irrtümer und moralisch Verwerfliches. Und früher oder später rächt sich das. Von der Bibel

kann und soll man wohl sagen, dass sie die Sammlung der Schriften ist in denen wir unsere eigenen Glau-

bensvorstellungen finden. Das macht sie für uns als Ganzes wichtig. Das Neue Testament ist natürlich viel

wichtiger als das Alte, das die jüdische Bibel ist.

 

Als viertes ändert sich unsere Haltung der Kirchenführung gegenüber. Sie denkt, sie habe die Pflicht und das

Recht im Namen Gottes zu sprechen, zu belehren, zu befehlen, zu verbieten. Das kommt von der Vorstel-

lung, Jesus sitze zur Rechten des Vaters und habe dem Papst (mittels Petrus) Vollmacht und Lehrautorität

verliehen und diese solle von diesem zu den niedrigeren Stufen der Hierarchie herabfließen. Ohne Gott-in-

der-Höhe bleibt davon natürlich nichts mehr übrig. Weder der Papst noch die Bischöfe können sich Wortfüh-

rer Gottes nennen. Auch ihre Worte sind nur Menschenworte, ohne aus sich bindende Kraft zu haben. Ihr

Magisterium ist eine Illusion. Was sie sagen, kann weise und nützlich sein, und wir sollen dann aus mensch-

licher und kirchlicher Verbundenheit mit ihnen das eventuell Wertvolle herausnehmen und bewahren. Nicht

weil es von einem Bischof oder Papst kommt, sondern weil es wertvoll ist, ein kleiner Funke der Selbstmit-

teilung Gottes.

 

Mit dem neuen Gottesbild  ändert sich weiter auch die Moral. Wenn es keinen thronenden Gesetzgeber in der

Höhe gibt, gibt es auch seine Gebote und Verbote nicht, die er auf dem Sinai dem Moses mitgeteilt haben

solle. An die Stelle der früheren Gesetzesmoral tritt eine Liebesmoral. Die sich in uns ausdrückende Urliebe

drängt uns zum weiteren Wachstum in der Liebe. Das ethische Basisprinzip lautet dann: eine Tat ist ethisch

gut und dient daher der Vermenschlichung, je mehr sie aus selbstloser Liebe geboren wird. Nicht aus Treue

zu Gesetz oder Vorschrift. Der gesetzgebende Gott-in-der-Höhe ist zwar auch eine Gestalt der schöpferi-

schen Urliebe, aber eine vorläufige und noch unzulängliche. Seine Gebote dienen meistens auch dem Wachs-

tum der Liebe. Meistens, nicht immer. Ihre Unzulänglichkeit zeigt sich besonders deutlich auf dem Gebiet

der Sexualmoral.

 

Diese war eine Sammlung aus Verboten, stammend von einer Kirchenführung, die im Namen des gesetzge-

benden Gottes in der Höhe zu reden meinte. Ohne sich dafür auf die Schrift berufen zu können, ging sie vom

Prinzip aus, dass man sich vor der sexuellen Lust hüten solle, weil sie nur unter ganz bestimmten Bedingun-

gen ethisch geduldet werden kann. Das Alte Testament widerspricht diesem sonnenklar und in der Verkün-

digung Jesu hört man über die allermeisten der von der Kirchenführung mit Todsünde belegten Verbote kein

Wort.

In der modernen gläubigen Moral sollte daher vom Basis-Prinzip ausgegangen werden, alles was aus selbst-

loser Liebe geschieht, also nicht aus Begierde oder Bedürfnis geboren wird, ist ethisch gut. Man kann selber

daraus die Folgerungen ziehen für voreheliches Zusammenleben, für homophile Beziehungen, für Geburten-

kontrolle, für Kondomgebrauch, für Wiederverheiratung nach einer in die Brüche gegangenen Ehe. Aber

umgekehrt auch für Ehebruch, Seitensprung, Liebe für eine Nacht, Prostitution, Pädophilie; die widerspre-

chen ebenso sehr der Liebesmoral, wie sie der vormodernen Kirchenmoral widersprechen.

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Die moderne Moral greift deutlich weiter und tiefer als die vormoderne. Sie führt z.B. zu einer anderen Hal-

tung dem Besitz gegenüber, indem sie auch Eigentumsunrecht kennt. Oder sie ruft zu einer ökumenische

Gesinnung auf, die notfalls über die von der Kirchenführung gezogenen Grenzen tritt, weil die Unterschiede

zwischen den Kirchen meistens aus eigener Deutungen von Schriftworten entstanden sind, die man, inklusi-

ve der Deutung, als ewige Worte Gottes betrachtete, und viel wichtiger scheinen als sie sind. Oder sie ruft

zum Naturschutz auf, weil die Natur als Gottes Erscheinung uns heilig sein muss, oder zur Sorge den eigenen

ökologische Fußabdruck zum Wohl der Menschheit von heute und morgen so klein wie möglich zu halten.

Über solche Dinge lehren die 10 Gebote nichts. Das beweist den Mehrwert einer gläubigen Moral, die aus

dem neuen Gottesbild folgt.

 

Wie wir Verkündigung auch auffassen, sie hat immer mit Reden zu tun und Reden mit Hören und Verstehen.

Und da fangen die Schwierigkeiten an. Die Sprache der vormodernen Verkündigung können wir selbstver-

ständlich nicht mehr verwenden, weil diese einen  überholten Inhalt vermittelt, den wir nicht mehr unter-

schreiben. Wir sollen neue Inhalte vermitteln und dafür brauchen wir neue Worte. Begriffe wie Sünde, Süh-

ne, Erlösung, Buße, Heil, Gnade, Reich Gottes, Fegefeuer, Wandlung, Kommunion bedeuten nichts mehr,

sind nur noch Worte. Früher bedeuteten sie vielleicht auch nicht soviel, aber man war mit ihnen vertraut und

dadurch erweckten sie den Eindruck einer Wirklichkeit zu entsprechen, die wichtig ist, aber über die man

sich weiter keine Gedanken machte. Also neue Worte für neue Inhalte. Aber wir sind selber kaum mit den

neuen Inhalten vertraut und es wird noch eine Zeit dauern ehe wir über eine neue daran angepasste Aus-

drucksweise verfügen.

 

Eine zweite Schwierigkeit ist die bei sehr vielen herrschende Überzeugung, dass sie keine Verkündigung

mehr brauchen. Zum Teil sind das Traditionschristen, die noch etwas vom vormodernen Glauben und seinen

Praktiken bewahrt haben, zum Teil auch Neuheiden, die sich vom christlichen

 

Glauben verabschiedet haben, weil er in ihren Empfinden langweilig und wirklichkeitsfremd ist. Ein neuer

Kontakt mit der schon längst abgeschriebenen kirchlichen Lehre interessiert diese in der Regel überhaupt

nicht. Dazu kommt noch, dass das religiöse Interesse in Österreich schnell schwindet. Und die Missbrauchs-

fälle der letzen Monate machen die Kirche und ihre Botschaft noch weniger glaubwürdig. Aber wo kein Inte-

resse ist auch kein Bedürfnis, und wo kein Bedürfnis auch keine Empfangsbereitschaft.

 

Aber was bedeutet „verkünden“? Unbewusst denken wir vielleicht an das, was der Pfarrer am Sonntag von

der Kanzel redet. Und darin mischen sich unbewusst aus der Bibel stammende und als bindend betrachtete

Ausdrücke wie: von den Dächern verkünden, oder das Wort von Paulus: verkünde den Menschen die Bot-

schaft Gottes, ob es ihnen passt oder nicht. Aber verkündigen bedeutet einfach melden, mitteilen, bekannt

machen. Denkt an Mariä Verkündigung: da wurde nicht vom Engel der Glaube gepredigt, sondern einem

Mädchen etwas sehr Wichtiges und sehr Erfreuliches gemeldet.

 

Überdies bekommt man in 1 Kor 12 den Eindruck, dass der Auftrag der Verkündigung von den Dächern und

ob man die Botschaft hören will oder nicht, nur für bestimmte Gemeindemitglieder gilt. Schon im Evangeli-

um gilt diese Aufgabe nur für die, welche sich berufen fühlten mit Jesus umherzuziehen und das Kommen

des Reiches Gottes zu verkünden, für die 12 also. Und bei Paulus und in der Apostelgeschichte gilt er spezi-

fisch für die von der Gemeinde ausgesandten Prediger, die apostoloi. Und diese Form der Verkündigung,

sagt Paulus, ist ein charisma, eine Gnadengabe, und nicht jeder hat sie. Andere Gemeindemitglieder haben

andere charismata. Aber die anderen, die vielen die dieses Charisma nicht hatten, sollten die also nicht ver-

kündigen? Freilich sollten sie verkündigen, aber auf eine ganz andere Weise. Und das haben sie auch getan.

Und zwar eine sehr erfolgreiche Weise. In 250 Jahren haben sie wie ein Sauerteig das immense Römische

Reich durchsäuert. Nicht durch öffentliche Werbung, also nicht durch Verkündigung in Sinne der Apostel.

 

Man kann die Lage jener Christen nämlich gut vergleichen mit der Lage der Christen im heutigen China.

Missionieren, nämlich öffentliche Verkündigung, ist den chinesischen Christen verboten. Sie dürfen nicht

direkt versuchen jemanden für ihren Glauben zu gewinnen. Nur die Fragen, die an sie herangetragen werden,

dürfen sie beantworten. Und natürlich dürfen sie ihre eigenen Kinder in den Glauben einführen. Darin be-

steht ihre Verkündigung. Und diese ist erfolgreich. Denn trotz Behinderungen vonseiten des chinesischen

Staates wächst die Kirche durch ihren Einsatz unaufhörlich. Sie leben so, dass sich andere wundern, sie be-

wundern, und Fragen an sie richten. Sie verkünden mit  anderen Worten durch ihr Leben.

- Das erinnert an ein Wort aus einem Brief von Charles de Foucauld, ein Wort das für jeden Christen gilt:

“Du bist berufen das Evangelium von den Dächern zu verkünden, nicht durch dein Wort, sondern durch dein     7/7

 

 

Leben.“ Wir sollen so leben, dass andere fragen. Dann können wir antworten. Das entspricht genau dem

Wort aus dem 1 Petrusbrief 3,15: „Seid immer bereit Rede und Antwort zu geben, wenn jemand fragt warum

ihr so von Hoffnung erfüllt seid“. Und es entspricht auch einem Wort das Gautama Buddha zugeschrieben

wird: Nur wenn jemand nach dem Weg fragt, nützt es ihm den Weg zu zeigen. Der Weg ist ein normaler

Ausdruck für die buddhistische Lehre. Und das bringt uns zum Titel des Vortrags zurück, in dem ich ein

kleines Wörtchen hinzufügen möchte: Unseren Glauben zeitgemäß leben und ihn so verkünden.

 

Mein Schlusswort. Ich habe hier für einen christlichen Atheismus plädiert, für eine religionslose Kirche, im

Geist der gläubigen Intuition von Bonhoeffer. Dieser christliche Atheismus ist eine Frucht derselben Urliebe

die im Anfang die Religionen hervorgerufen hat, sie allmählich gereinigt und vertieft hat und sie vom Poly-

theismus zum Monotheismus führte. Sie treibt uns nun zum Abschied weg von diesem auch nur vorläufigen

Gottesbild und nützt dazu die im Schoß des Monotheismus geborene Moderne. Das vormoderne Gottesbild

konnte nur etwas Vorläufiges sein, denn es ging problemlos zusammen mit einem schrecklichen Mangel an

Menschlichkeit. Ein gläubiger Atheismus, eine religionslose Kirche, soll diesen Mangel aufheben. Denn

Atheismus ist an sich nur der befreiende Abschied von einer alles beherrschenden, nirgendwo wahrnehmba-

ren, anthropomorph gedachten außerkosmischen Macht, und keineswegs Abschied von der Transzendenz.

 

Das Wort von Einstein zeigte das deutlich. Und Mystiker wie Eckehart reden im selben Sinn. Ihr kennt das

Wort von Karl Rahner, dass der Christ der Zukunft ein Mystiker sein wird.  Es sagt im Grunde dasselbe: wir

sollen uns nicht bestimmen lassen von auswärts, von Traditionen, von Gesetzen, von Menschen mit Mitras

oder Tiaren, sondern nur von der Begegnung mit der in uns wirksamen Urliebe. Das ist auch der tiefere Sinn

des Wortes der Jünger Jesu zum Hohen Rat in der Apostelgeschichte (5,29): man soll mehr hören auf Gott

als auf die Menschen. Dieses hören auf die Urliebe Gott, diese Begegnung mit ihm, ist das einzig Wichtige.

 

Darum ist es im Grunde unwichtig ob man fromm einen Gott-in-der-Höhe bekennt und verehrt oder ein be-

kennender Atheist ist. Was Paulus im Galaterbrief (5,6) von der Beschneidung sagt, die doch das Merkmal

des jüdischen Gottesglaubens war, gilt auch hier. „Es zählt nicht“, schreibt er, „ob jemand beschnitten oder

unbeschnitten ist, es zählt nur der Glaube der sich in tätiger Liebe bewährt.“ So auch zählt nicht ob man

gottgläubig ist oder religionslos. Es zählt nur ob man von der uns innewohnenden Urliebe Gott sich bewegen

lässt. Darum kann und soll der Christ mit allen zusammenarbeiten die von der Menschenliebe in ihrer Tiefe

getrieben sind, sich für die Heilung einer heilungsbedürftigen Menschheit einsetzen. Religionen und Konfes-

sionen trennen, die tätige Liebe vereint. Und nur sie wird den eschatologischen Traum von Paulus wahr ma-

chen, dass die Urliebe Gott einmal alles in allem sein wird.

Für das Protokoll: Hans Peter Hurka

 

 

Nächster Termin :

 

Sonntag, 16. Jänner 2011, 15:00 - 17:00 Uhr:

Kardinal-König-Haus, 1130 Wien, Kardinal-König-Platz 3

(Lainzer Straße 138)

 

Thema: Ist uns ökumenisch die Orthodoxie am nächsten ?

 

Referent: Univ. Prof. Dr. Rudolf Prokschi

 

Einerseits beklagen evangelische Kreise, dass sich die Katholische Kirche seit dem Pontifikat Benedikts XVI. in der Ökumene stärker der Orthodoxie zuwendet, weil sie dort mehr Chancen sehe, die jahrhundertelange Trennung zwischen Ost und West zu überwinden. Andererseits hört man von traditionalistischen orthodoxen Kreisen vor allem in Griechenland, Rumänien und Russland, die strikt jeglichen ökumenischen Dialog ablehnen.

An diesem Nachmittag wollen wir folgenden Fragen nachgehen: Wie nahe steht uns Katholiken die Orthodoxie wirklich? Was trennt uns in der Glaubenslehre, in der Praxis der Sakramentenspendung, in der Ekklesiologie? Welches konkrete Einheitsmodell ist für die Orthodoxie überhaupt vorstellbar? Lässt sich das vereinbaren mit den Beschlüssen des Ersten Vatikanums (Jurisdiktionsprimat, Unfehlbarkeitsdogma)?

 

 

Im Anschluss findet die Neuwahl des Vorstandes statt.